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Neue Facebook Geschlechteroptionen — in der TAZ

Yours truly zitiert in der Taz:

http://taz.de/Diversitaet-von-Geschlechterrollen/!145418/

Hier meine Antworten im Volltext:

Wie sehen Sie die Maßnahme? Ist das ein guter, ein richtiger Schritt um
das Thema gender auch im Mainstream zu thematisieren?
Grundsätzlich ist größere Vielfalt in den Geschlechteroptionen bei Facebook besser als der vorherige
Zwang, sich auch bei Facebook als “Mann” oder “Frau” einordnen zu müssen — was ja zu allem Überfluss gekoppelt war mit regelmäßigen Erinnerungsnachrichten, wenn dem nicht nachgekommen worden war. Das war für viele eine Zumutung und eigentlich auch schwer vereinbar mit einer Internetplattform, die sich ja gerade als Forum zur Selbstpräsentation und Kontaktpflege versteht. Es ist also vor allem gut für all jene, die diese neuen Optionen nutzen werden und von denen ja auch einiger Druck auf Facebook ausgeübt wurde, die Darstellung größerer Geschlechtervielfalt zu erlauben.
Dass jetzt alle Nutzer_innen mit einer Vielzahl an Optionen konfrontiert werden und – zumindest bei der Einführung – eine kleine journalistische Aufmerksamkeitswelle rollt, ist ein positiver Nebeneffekt.

Was sagen Sie zu den 60 Kategorien? Mutet das für den Nutzer, der sich
nicht mit gender beschäftigt, nicht absurd an?
Wenn die Idee ist, dass auf Facebook die Geschlechtsidentitäten von Nutzer_innen als Information eingegeben werden sollen – mit dem Anspruch auf “Realitätsnähe” – dann lässt sich das nur mit einer Flut von Begriffen machen. Und selbst die werden immer wieder an ihre Grenzen stossen: In den USA wurde die Liste recht schnell nach der ursprünglichen Einführung nochmals erweitert, da Proteste derer laut wurden, deren Begriff nicht in der ursprünglichen Auswahl vorkam. Geschlechtervielfalt passt halt nicht in eine Liste von 2, aber auch nie komplett in eine von 60 Kategorien. Wenn 60 absurd anmutet, dann hoffentlich deshalb, weil Geschlecht zu einem gewissen Grad absurd ist. Was im Übrigen die Nutzer_innen der neuen Kategorien im alten Regime jedes mal dachten, wenn Facebook eine absurde Erinnerung schickte, sich doch bitte der Maschine als “Mann” oder “Frau” zu erklären.
Die Absurdität scheint mir so gesehen nicht das Problem. Was skeptisch macht ist hingegen die neue Art Verortungszwang, die sich automatisch auftut: Wenn es jetzt all diese Möglichkeiten gibt, welche müssen wir dann wählen? Sind jetzt alle zum geschlechtlichen “Coming Out” verpflichtet? Alle Begriffe, die ich nicht wähle, habe ich ja dann implizit immer abgewählt. Wenn ich jetzt eine dieser Kategorien anklicke, denken Facebook und meine dort vernetzten Freund_innen jetzt, dass ihnen das verrät wer und was ich “bin” – und zwar mit angeblich genauerer Tiefenschärfe als zuvor? Es wäre zu hoffen, dass die Vielzahl der Möglichkeiten stattdessen vor Augen führt, dass unsere Auswahl letztlich mehr darüber aussagt, wie wir Formulare ausfüllen als über unser Geschlecht.

Wäre es besser, ein offenes Feld anzubieten?
Mein Eindruck – aber das ist nur Spekulation – ist, dass diese Möglichkeit vermieden wurde, um keinen Raum für beleidigende Scherz-Kategorisierungen und Trollverhalten zu eröffnen. Mich beschäftigt da immer noch die Frage, die ich bereits im binären Auswahlsystem hatte: Muss Facebook das wissen? Warum fragt mich diese Plattform, in der ich eine angeblich ‘individuelle’ Seite gestalte, überhaupt nach meinem Geschlecht und ähnlichen Kategorisierungen? Also vielleicht einfach gar kein Feld statt eines offenen. Aber ob wir da alle reinpassen… oder eher hinter binären Geschlechterzuweisungen im Auge des/der Betrachter_in verschwinden, darüber lässt sich selbstverständlich streiten. Ein solcher Streit lohnt sich in jedem Fall weit über Facebook hinaus.

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